paedagogik

Baustelle

 

 

Zehn Empfehlungen für Eltern

(die mit ihren Kindern einmal viel Ärger und Kummer haben wollen)

 

  1. Geben Sie Ihrem Kind von Anfang an alles, was es will. Schlagen Sie ihm niemals einen Wunsch ab. Streichen Sie das Wörtchen "Nein" aus Ihrem Wortschatz. Nur so kann in Ihrem Kind die Überzeugung wachsen, daß die ganze Welt ihm gehört und alles nach seinem Willen zu gehen hat.
  2. Unterdrücken Sie Ihr Kind nicht mit moralischen Grundsätzen. Sagen Sie niemals: "Das ist nicht recht!" Es soll selbst bestimmen, was Recht und was Unrecht ist. Nur so vermeiden Sie bei Ihrem Kind hemmende Schuldkomplexe. Denn schuld sind immer nur die anderen.
  3. Nehmen Sie Ihrem Kind jegliche Mühe ab. Räumen Sie stets seine Unordnung auf, machen Sie seine Hausaufgaben, tragen Sie den Müll selbst vor die Tür. Nur so kann in Ihrem Kind das Bewußtsein der eigenen Würde aufblühen und der Anspruch auf prompte Bedienung.
  4. Geben Sie Ihrem Kind keinerlei geistige oder gar religiöse Erziehung. Es soll sich als völlig unabhängig betrachten, ohne Verantwortung vor sich selbst oder vor Gott. Wenn Ihr Kind erwachsen ist, wird es schon selbst wählen und einen Sinn in seinem Leben finden.
  5. Lassen Sie Ihr Kind lesen, was es will. Gewähren Sie ihm volle Freiheit bei Filmen und beim Fernsehen. Belästigen Sie es nicht durch Kontrolle oder Beratung. Es genügt, sein Essen zu sterilisieren. Die geistige Kost aus Schmutz und Schund wird seinen Verstand nur kräftigen.
  6. Achten Sie darauf, daß Sie Ihrem Kind immer recht geben. Dies beugt möglichen Minderwertigkeitskomplexen vor. Machen Sie ihm klar, daß Nachbarn, Lehrer, Polizisten, Pfarrer, Jugendämter und alte Leute es nur auf arme Kinder abgesehen haben und sie gerne quälen.
  7. Geben Sie Ihrem Kind stets soviel Geld, wie es verlangt. Es soll keinesfalls auf den Gedanken kommen, etwas dafür tun zu müssen. Die altmodische Einstellung, daß man Geld "verdienen" muß, wirkt sich nachteilig auf das kindliche Gemüt aus. Nicht Arbeit, sondern Nichtstun adelt.
  8. Wenn Ihr Kind unflätige Ausdrücke gebraucht, wenn es frech und anmaßend mit Ihnen spricht, so lachen Sie nur verständnisvoll. Es wird sich dann für besonders geistreich und witzig halten, Sie als gute Kumpel betrachten und im übrigen von jeglichem Respekt befreit werden.
  9. Zeigen sie keinerlei Interesse für den Umgang Ihres Kindes, weder für seine Spielkameraden noch für seine Schulfreunde. Vermeiden sie Einschränkungen bezüglich Ausgang und Heimkehr. Den Sie daran: Ihr Kind kann von schlechten Freunden ohnehin nicht mehr viel hinzulernen.
  10. Wenn aus Ihrem Kind dann tatsächlich ein egoistischer Taugenichts, ein großmäuliger Protestierer und ewig unzufriedener Versager geworden ist, dann erklären sie einfach, daß Sie nichts dafür können, daß Ihrem Kind nie etwas gefehlt habe, daß Sie das alles nicht verstehen.

Aus dem Amerikanischen.

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Kinder haben Wünsche. Sie äussern sie auch.
                                      Man muss den Kindern nur zuhören.
                                                                       Und sie und ihre Wünsche ernst nehmen.

Bitten eines Kindes an die Erwachsenen

Verwöhne mich nicht! Ich weiß sehr wohl, daß ich nicht alles bekommen kann, wonach ich frage.
Ich will dich nur auf die Probe stellen.

Weise mich nicht im Beisein anderer zurecht, wenn es sich vermeiden läßt.
Ich werde deinen Worten viel mehr Beachtung schenken, wenn du mit mir unter vier Äugen sprichst und mich nicht öffentlich blamierst.

Sei nicht ängstlich mit mir und schenke meinen kleinen Unpässlichkeiten nicht zuviel Aufmerksamkeit.
Sie verschaffen mir nur manchmal die Zuwendung, die ich benötige.

Sei nicht fassungslos, wenn ich dir sage: Ich hasse dich! Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht, meine Pläne zu durchkreuzen.

Bewahre mich nicht immer vor den Folgen meines Tuns.
Ich muß auch mal peinliche Erfahrungen machen.

Nörgle nicht. Wenn du das tust, schütze ich mich, indem ich mich taub stelle.

Mache keine raschen Versprechungen.
Bedenke, daß ich mich schrecklich im Stich gelassen fühle, wenn Versprechungen gebrochen werden.

Sei nicht inkonsequent! Das macht mich völlig unsicher und läßt mich mein Vertrauen zu dir verlieren.

Unterbrich mich nicht, wenn ich Fragen stelle. Wenn du das tust, werde ich mich nicht mehr an dich wenden, sondern versuchen, meine Informationen woanders zu bekommen.

Sag nicht, meine Ängste seien albern! Sie sind erschreckend echt, aber du kannst mich beruhigen, wenn du versuchst, sie zu begreifen.

Versuche nicht immer so zu tun, als seiest du perfekt und unfehlbar, der Schock ist für mich zu groß, wenn ich herausfinde, daß du es doch nicht bist.

Denke nicht, dass es unter deiner Würde ist, dich bei mir zu entschuldigen. Eine ehrliche Entschuldigung erweckt in mir ein Gefühl von Zuneigung.

Vergiß nicht, ich liebe Experimente! Ich kann ohne sie nicht groß werden.

Vergiß nicht, wie schnell ich aufwachse. Es muß für dich sehr schwer sein, mit mir Schritt zu halten - aber bitte, versuche es.

(Zusammengetragen, aus Äußerungen von Kindern, von Berliner Grundschullehrern)



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